Brauchen Steuerberater ein eigenes Blog?
Geht man von der ursprünglichen Bedeutung eines Blogs (Weblogs) aus, das aus einer Wortkreuzung zwischen Web und Log-(buch) entstanden ist, so fragt man sich, warum ein Steuerberater ein Web-Tagebuch (besser zum Beruf passend: Web-Journal) führen sollte?
Die meisten Steuerberater haben genug zu tun und müssen ihre Zeit nicht damit verplempern, online über schwierige Mandanten zu jammern oder gar aus dem (privaten) Nähkästchen zu plaudern. Und nur dazu, um die eigenen Eitelkeiten zu pflegen, ist ein Blog etwas aufwändig. Das kann man einfacher haben.
Solche Probleme aus den Anfängen des Bloggens sind nun aber längst überwunden und Blogs sind inzwischen ein respektables (Online-) Marketinginstrument geworden. Business-Blogs sind auf dem Vormarsch und wer als Steuerberater (und Freiberufler) gegen die Bezeichnung “Business” allergisch ist, darf sein Blog auch gerne Freiberufler-Blog oder – noch feiner - ”Blawg” nennen, womit sich insbesondere Rechtsanwälte immer häufiger schmücken.
Doch der Erfolg von solchen Blogs kommt nicht von ungefähr: Jeder, der eine konventionelle Webseite sein Eigen nennt, weiß, dass es immer schwieriger wird, mit einer solchen Webpräsenz im Internet Aufmerksamkeit zu erregen – sprich: gefunden zu werden. Über die bekannten Suchmaschinen – in Deutschland gibt es eigentlich nur eine Einzige von Bedeutung – erhält man für alle häufigeren Suchbegriffe in Zusammenhang mit Steuerberater (Steuerberatung) eine Liste von Großkanzleien auf den ersten Rängen der Suchergebnisse, umringt von (kostenpflichtigen) Anzeigen derselben sowie ein paar anderer kleinerer Anbieter solcher Dienstleistungen. Otto Normalsteuerberater hat kaum mehr eine Chance hervorgehoben wahrgenommen zu werden, wenn er nicht ständig in neue Anzeigen investiert.
Wer die Arbeitsweise von Suchmaschinen einigermaßen kennt, muss – vielleicht etwas resigniert – zugeben, dass seine Webseite in Sachen Schlüsselwörter (Keys), Inhalt (unique content), Aktualität (da bringt auch ein vierteljährliches Update wenig) mit den Großen der Branche einfach nicht mithalten kann. Nimmt man noch die Verlinkung der Webseite (Backlinks) als weiteres maßgebendes Kriterium hinzu, dann bleiben in den Suchmaschinenergebnissen meist nur die Plätze unter “ferner liefen”, auf die ohnehin kaum mehr jemand klickt, geschweige denn Interesse als potenzieller Mandant zeigt.
Gerade in diesem entscheidenden Punkt, wie man Interessenten (potenzielle Mandanten) auf seine Webseite “lockt”, können Blogs ihr Stärken ausspielen. Nimmt man beispielsweise das weitgehend kostenlose Blogsystem von Wordpress, das mit Abstand am weitesten im Internet verbreitet ist und auch von Lieschen Müller (äh – dem Steuerberater) schnell und leicht zu bedienen ist, so besteht an dessen Suchmaschinenfreundlichkeit wenig Zweifel. Geeignete Plugins geben Hilfestellung zur Suchmaschinenoptimierung, so dass auch der wenig internet-affine Steuerberater mit ein bisschen Anleitung starke Schlüsselwörter (Keys) aufbauen kann, unter denen er im Web gefunden werden möchte. Natürliche sollte der Steuerberater diese Schlüsselwörter an seinen eigenen fachlichen Stärken ausrichten, denn regelmäßige Blogbeiträge zu dem entsprechenden Thema sind das A & O für den Online-Erfolg. Dies muss aber keineswegs sehr zeitintensiv werden; eine halbe Stunde in der Woche kann schon vieles auf dem Weg in die Spitzplätze der Suchmaschinen bewirken.
Nebenbei kann sich der Steuerberater auf seinem Spezialgebiet durch das Blog einen Namen machen und nicht nur potenzielle Mandanten, sondern auch Kollegen von seinen Fähigkeiten überzeugen und so Aufträge gewinnen.
Schließlich bietet ein Blog - im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Webseite – auch die Möglichkeit der direkten Kommunikation durch Kommentare/ Antworten und eröffnet alle Möglichkeiten des sog. Web 2.0. Eine solche Netzwerkbildung/Verlinkung wirkt sich wiederum positiv auf die Platzierung in den Suchmaschinen aus.
Zurück zur Eingangsfrage: Steuerberater brauchen natürlich kein eigenes Blog. Aber wer als Steuerberater ein Stück von dem inzwischen immensen Mandantenpotential im Internet abbekommen möchte und einfaches und preisgünstiges Online-Marketing betreiben möchte, der kommt an einem eigenen Blog in Zukunft kaum mehr vorbei. Nur dadurch kann auch ein “kleiner” Kanzeleiinhaber oder Berufsanfänger den “Großen” zumindest in einigen Spezialgebieten (Nischen) Paroli bieten.
Und im – manchmal öden – beruflichen Alltag kann es sogar Spaß machen, im Blog über neue Überlegungen zu schreiben und ein Echo dazu von Lesern zu erhalten.